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Tag 4 Nichts als Mond da oben

Als ich A. erzähle, dass mein Kopf so voll ist, von Männern und Entscheidungen, vom Großstadtleben, den Jobs und dem Geplauder, und mein Wunsch jetzt groß ist in der dörflichen Abgeschiedenheit von Röderhof, leer zu werden, kann sie das gut verstehen, weil sie meine Freundin ist und auch schon hier war. Nun treibt der Wind die Blätter und Äste der Bäume vor dem Fenster nach links. In die Himmelsrichtung, in der der Mond aufgeht. In der Nacht schien er voll und rund vor dunklem Hintergrund. Nichts als Mond da oben. Vollmond vor Unendlichkeit. In Halberstadt im Domschatz hängt ein Bild mit Maria auf der Mondsichel, umgeben vom Strahlenkranz. Unschuldig und unbefleckt. Wunderschön. Fast dreidimensional tritt sie hervor. Unser vieler Frauenbild. H. sagt, wenn eine im Internet schreibt, sie sucht ONS, will er sie nicht als Partnerin. Er will Exklusivität. M. steht am Anfang der Beziehung und weiß in drei, vier Jahren will er mit mehr als seiner Frau schlafen. Wenn mir meine Haltung klar ist, muss ich die Haltung anderer nicht mehr allzu ernst nehmen. Jetzt bedrücken sie mich, die Festigkeit der Sichtweisen, die nach Sicherheit verlangen, von Beginn an, Sicherheit.